September 8, 2011

Das leben der kleinen chilenischen Plastiktüte (13. März 2005)

Das leben der kleinen chilenischen Plastiktüte (13. März 2005) - original Auszug eine Geschichte aus dem Reisetagebuch von Jules Patagonien-Trip Anfang 2005

"1/2 Kilo Brot, salzige Butter und ein wenig Schafskäse.. die kleine weisse Plastiktüte wurde bis zum Rand im Supermarkt gefüllt. Dick und Rund nahm sie ihr neuer Besitzer mit. Sie war die Vespertüte eines Patagonischen Saisonarbeiters, welcher auf dem Weg zu einer Estancia zum Schafe scheren war. Im Bus gut verstaut wurde sie erst in einem kleinen Dorf mitten in der patagonischen Steppe wieder ausgepackt. Nach un nach wanderten Brot, Butter und Käse in den Bauch des Arbeiters. Just in dem Moment, als das letzte Brot verzehrt werden sollte erfasste ein der vielen Windböen die kleine Tüte und riss sie mit sich hoch in die Luft. Der Patagonische Saisonarbeiter schaute nur gelangweilt hinterher.. hatte er ja auch den ganzen Inhalt schon gefuttert.. so war die Tüte nicht mehr mehr, als eine Tüte für ihn. Doch für die kleine chilenische Plastiktüte begann ein Abenteuer. Immer weiter und höher trug sie der Wind. Hoch über der Steppe schlug sie Kapriolen und freute sich des Spieles des Windes. Ab und zu flog sie ganz dicht über den Boden und erschreckte mit ihrem geflatter und geknatter ein paar grasende Guanacos oder aasende Schafe. Kilometer für Kilometer trug sie der Wind mit sich über das goldgelbe Steppengras hinweg - endlos konnte sie sehen.. und doch war alles gleich. Als eine Windböe sie wieder einmal dicht über die Grasspitzen wehte wurde sie auf einmal jeh gestoppt. Sie hatte sich in einem der zahllosen Stacheldrahtzäune verfangen. Rechts und links hingen Kollegen denen das gleiche Schicksal zugeteilt worden war. Ja und wenn sie noch nicht ganz zerfetzt ist, dann hängt die kleine chilenische Plastiktüte auch heute noch im patagonischen Stacheldrahtzaun. The End."