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September 3, 2007

Delhi-Palolem-Mumbai und Konstanz

An alle die sich schon Sorgen gemacht haben: Jups, wir sind wieder zurueck!! Vor lauter Faulenzen bin ich in Goa nicht mehr dazu gekommen etwas zu schreiben...dafür gibts nun die letzte Woche sogar mit Umlauten!

Die Indische Hauptstadt Delhi hat es dann doch auch noch geschafft mich ausserhalb des Tibetischen Viertels positiv zu überraschen. Viel sauberer als Mumbai, weniger Verkehrschaos und deutlich weniger nervige Inder dazu wiedereinmal ein nettes red Fort und die Jama Masjid, die groesste Moschee Indiens (und eine der größten der Welt) mit ihren imposanten Minaretten und einem riesigen Hof in dem über 20 000 Gläubige platz finden, erbaut, wie könnte es anders sein, natürlich auch von Goßmogul Shajahan und der Besuch bei einem Indischen Medizinmann der nur "injection, injection" kannte, das war Delhi.




Die Einzahl in obiger Auflistung und den Besuch bei einem original echten Indischen Arzt hat uns Nathi eingebrockt, die nicht nur kein Essen mehr bei sich behalten wollte und auf der Toilette wohnen wollte, sondern über Nacht auf einmal auch noch fast 104°F Fieber bekommen hatte. Aber nach einer "injection" und ein paar lustigen bunten Pillen (Neo, welche Pille nimmst du. Die Blaue oder die Rote?) gings ihr wieder so gut, dass wir am darauffolgenden Morgen endlich in den wohl verdieneten Urlaub nach Goa fliegen konnten.


Aus dem Fluhafengebäude raus gekommen wünschten wir uns mal wieder taub für bestimmte Wörter wie "Yes Madame Rikscha!", "Taxi Madame, Taxi!" zu sein und liefen mit einem dauer-no auf den Lippen zielstrebig Slalom um diverse Anbieter in die Richtung aus der es nach Local-Bus roch. Eine erneute Schlagsahne/Hüpfburg Fahrt brachte mich gut und die kränkelnde Nathi umgerührt nach Palolem, DEM Strandchillort in Goa.
Von dem beliebtester Ort in Goa erwarteten wir einen Bilderbuchstrand mit sich halb-Stündlich wendenden Touristen, Palmen mit Hängematten und Bambushütten mit Meerblick.




Was wir jedoch durch einen Regenschleier sahen waren leere Straßen und am Strand ein paar durchnäßte, wiederkäuende heilige Kühe. Also setzten wir uns den Rest des abends in ein Restaurant, aßen, lasen und lösten Kreuzworträtsel.
Als wir dann am nächsten morgen, wie die Kühe noch das leckere und reichliche Masala-irgendwas vom Vorabend verdauend, aufwachten, schien die Sonne und das Bilderbuch war dann doch fast perfekt! Palolem in der Monsun-Zeit ist zwar hauptsächlich nass, leer und die wenigen Touristen werden dann auch noch von Kokusnüssen erschlagen :o) aber das Arabische Meer ist warm und wenn man dann sowieso nass ist ist der Regen auch nur noch halb so schlimm. Ein paar andere Touris, ein bischen Sonne und die ersten, wirklich netten, kommunikativen Inder haben wir dann doch noch getroffen und so verbrachten wir die Zeit in Goa mit Schwimmen und Wellenringen, Bodyboarden, Strandspaziergängen und Felsklettereien, Essen und Essen verdauen, Trinken, Schlafen und Dösen, Billiard- und Kartenspielen und da sich Nachbarländer ja gerne gesellen, mit viel lustigem Östereichisch-Schweizer-Französisch-Deutschem Getratsche :o).




Mein Indien Faszit: Unglaublich beeindruckendes Land in dem jede neue Stadt, Region oder auch nur Straßenecke mit allem im Kontrast zum zuletzt gesehenen steht. Nach einigen Gebieten in Rajasthan mit stinkenden Müllbergen und Fäkalien in jeder Ecke, gaffenden, grabschenden, spuckenden und nervigen Indern, Hitze und Staub sehne ich mich bestimmt nicht zurück. Aber die schönen, grünen und ruhigen Bergregionen ebenso wie ganz Goa könnte ich noch ein bischen länger erkunden. Auch die vielen verschiedenen Religionen, Hinduismus, Buddhismus, Islam um nur die größten zu nennen und die ebenso vielen Sprachen, die Geschichte Indiens von der Mogulzeit über die Europäische Kolonialherrschaften und die nun 60 Jahre währende Unabhängigkeit bis hin zum Kaschmirkonflikt, Ghandi, Kastensystem und der unendlichen sozialen Probleme ist super interresant. Und natürlich das leckere Essen...Alo Gobi, Tikka Masala, Palak Paneer und Garlic, Missi oder Kashmiri Naan...mmmmh...das wird fehlen!! Allerdings werde ich das nächste mal entweder in männlicher Begleitung oder unter einer Burka durch Indien reisen.... . In diesem Sinne möchte ich nun Tschüss sagen bis zum nächsten Urlaub und wer vorher Fernweh bekommt kann ab nächstem Monat die Geschichten von Olli und Ruth rund um den indischen Ozean (siehe Link) lesen. Alavidha!

August 26, 2007

MapII

Mumbai-Jodhpur-Jaisalmer-Bikaner-Amritsar-McLeodGanj-Jaipur-
Agra-Delhi-Goa

Indias inhabitants



















Jaipur - Taj Mahal - Kapitale Delhi

"Dellidellidelli" schreien die Bus- Zug- Rikschafahrer wenn sie Richtung Indiens Hauptstadt fahren. Diesem Ruf sind wir gefolgt und chillen nun mal wieder...wie koennte es anders sein...im Tibetischen Viertel.
Indien macht uns echt fix und fertig. Die Ruhe und Kraft die wir in den Bergen tankten war auf der Busfahrt schon wieder aufgebraucht. Nach 24h holpriger fahrt ueber Stock und Stein (Bergstrasseen und Schlammlawinen, Schlagloecher und tote Hunde) sind wir als Schlagsahne in Jaipur angekommen. Jaipur, "the pink city", so genannt aufgrund der Gastlichkeit wegen rot gestrichener Gebaeude, ist Industriestadt und das Shoppingparadies Rajasthans. Haendler sind in Stadtviertel eingeteilt und so bekommt in der einen Strasse nur Schuhe, in der naechsten Saris und in der uebernaechsten Schmuck. Allerdings kehrt sich das Paradies ganz schnell zur Hoelle wenn man sich unter die Profitgeier gewagt hat. "Yees madam, you want buy niiice bag, veeery cheeep, yees madam...". "Yees madam, come to seeee my shop, yes madam", "yes madam richshaw", ... "NO NO NO". Es ist einfach unglaublich mit welcher Ausdauer Inder einem hinterher rennen koennen wenn sie Geld wittern. Und die wird man nie wieder los. Nicht mit dem ersten no, auch nicht mit dem zweiten und auch nicht mit dem hundertsten. Da auch das Highlight Jaipurs, die Hawa Mahal, oder der Palast der Winde, eingeruestet war haben wir schon wieder eine Stadt mehr enttaeuscht als begeistert verlassen.
Unser naechstes Ziel war das UNESCO Kulturerbe, Weltwunder und Mausoleum Taj Mahal in Agra. Doch bevor der riesige (fast) perfekte weisse Mamorpalast unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte sahen wir noch was viel skurrileres. Eine huebsche blonde Frau mit schulterfreiem Kleid (wer sich das in Indien wagt muss Lebensmuede sein) in begleitung eines Schwarzen (auch ein seltener Anblick hier..) vor dem Taj. Ich: "Sagmal Nathi, ist das nicht...", Nathi: "Heidi Klum und Seal?!". Doch genau! Die beiden haben sich auch das Taj angeschaut. Sehr lustig! (01.09.07 Sorry, musste die Fotos von der huebschen Heidi vorruebergehend raus nehmen)
Das Taj, erbaut vom Mogul Shahjahan (benannt nach unserem Shah...oder war es andersrum?! :o)), zu Gedenken seiner verstorbenen Hauptfrau ist mit Abstand der sauberste und ruhigste Ort in ganz Indien und wirklich beeindruckend! Aber nach 2 Stunden Traeumerei von einem Mann, der auch sowas fuer einen baut :o) hatten wir genug Romantik und stuerzten uns wieder in das indische Chaos um nach Dellidellidelli zu fahren. Da wir innerhalb einer Stunde nicht faehig waren Zugtickets zu kaufen und alles von Pontius zu Pilatus abgelaufen sind haben wir uns doch mal wieder fuer einen Huepfburg-Bus entschieden. Jetzt im Tibetischen Viertel heisst es wieder viel Kraft tanken und dann geht es mit Wuertze und Spicejet nach Goa...Urlaub vom Urlaub machen!

August 20, 2007

Amritsar - McLeod Ganj



Amritsar, 30km von der Pakistanischen Grenze entfernt, ist die Stadt der Sikhs. Die Reliogionsgemeinschaft der Sikh ist die 4. groesste in Indien und die meissten davon leben in der Region Punjab. Auf dem Kopf tragen die Maenner einen stattlichen Turban, die meissten Jungs haben jedoch nur ein Tuch mit einer Wurst vorne auf der Stirn...Nathi meint, die sehen aus wie der Maulwurf in der Geschichte "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte wer ihm auf den Kopf gemacht hat". :o)
In Amritsar steht der goldene Tempel, die groesste Pilgerstaette der Sikh die jeden Tag von ca. 30.000 Menschen besucht wird. Fuer Pilger gibt es dort kostenloses Essen und Uebernachtungsmoeglichkeiten. Vom Heiligtum in der mitte eines Sees wird gesagt, dass es mit 750 kg Gold vergoldet ist.
Das ganze Areal wird konstant mit Gesang aus dem heiligen Buch der Sikh beschallt was dem Tempel eine meditative, gechillte Atmosphaere verleiht und einem zu ein bischen Abstand zu dem Trubel auf den Strassen verhilft. Dieser ist inzwischen schon fast unertraeglich geworden. Das staendige angerede, angegrabsche und fast ueber den Haufen gefahren werden ist so anstrengend, dass wir jetzt in die Berge zu den Tibetern gefluechtet sind.
Ah...zuvor haben wir uns ja noch den Wachen-Hahnenkampf an der Pakistanischen Grenze gegeben. Ein wahnsinns Spektakel das die jeden Abend auffuehren und das von beiden Seiten von 1000enden von Menschen zelebriert wird. Das Militaer auf beiden Seiten rennt im Stechschritt auf die Grenze zu, salutiert, stampft mit den Fuessen, spielt den Macho um sich schliesslich am Ende die Haende zu reichen und auf die Sekunde genau gleichzeitig die Flaggen zu senken. Die Massen an zusammen gepfaerchten und schwitzenden Zuschauer rufen im Chorus "Hindustan, Hindustan..." auf der einen und "Pakistan..." auf der anderen Seite und immer wenn das Nachbarland am rufen ist pfeift das andere es aus. Wirklich beeindruckend.

Nach all der Hitze, Schweiss, Stress, Gestank und Gehupe sind wir nun unheimlich froh im kuehlen, verregneten Himalaya zu sein. Wir sind mit dem Bus direkt nach McLeodGanji gefahren, dem Hauptsitz der Tibetanischen Regierung im Exil und immernoch Residenz des Dalai Lama. Leider ist er erst im September wieder hier...waer toll gewesen ihn zu treffen.
Auf dem Weg hier her haben wir das erste mal den Monsun zu spueren bekommen. Massen an Wasser sind auf einmal vom Himmel geschossen und durch den undichten Buss getropft der nun eher einem Amphibienfahrzeug glich und mit unglaublicher konstanz durch reifentiefes Wasser gepfluegt ist. Stoppen konnte uns erst ein Baum der die Strasse fuer ca. 2 Stunden blockiert hat. Ich dachte bis dahin, dass nur die heiligen Kuehe dazu faehig sind die dauerhupenden Busfahrer zu stoppen. Leider hat der Regen bis jetzt nicht aufgehoert und so chillen wir schon den ganzen morgen in unserem Guesthouse. Tut aber unheimlich gut mal nicht zu schwitzen, saubere Luft zum Atmen zu haben und Zeit zum Lesen, Schreiben, Nachdenken... . Dieses Dorf ist auch wirklich praedestiniert dafuer. Viele Tibeter und Moenche die Ruhe ausstrahlen und keine aufdringlichen Inder. Es ist grotesk es zu sagen, aber irgendwie sind wir froh fuer den Moment dem "typischen Indien" entflohen zu sein. Allerdings, wenn wir unsere weiteren Reiseplaene verwirklichen, werden wir bald wieder eintauchen in "the greatest asshole of the world", wie Micha prophezeite. Ich muss inzwischen sagen, er hatte nicht so ganz unrecht... .

August 17, 2007

Map


Fuer den kleinen Ueberblick...! :o) Eingekringelt sind Mumbai (suedlichster Punkt, da sind wir gelandet), Jodhpur, Jaisalmer, Bikaner (in Rajasthan) und Amritsar.

Jaisalmer-Thar desert-Bikaner

Tja...eigentlich wollten wir ja keine so ne bloede Camel-Safari machen...aber wer weiss was uns der Touren-Andreher in den Cafe geschuettet hatte...jedenfalls hatte er uns eine Stunde und zwei Cafe spaeter dazu gebracht, dass wir uns riesig darauf freuten zwei Tage lang bei Gluthitze durch die Wueste zu schaukeln. :o)

Zunaechstmal bummelten wir jedoch durch Jaisalmer. Eine suesse kleine Stadt deren Einwohner frueher den Maharajas gedient hatten und nun versuchen den Touristen saemtliche Souvenirs anzudrehen. Das aus goldenem Sandstein erbaute Fort mit irrsinnig vielen kleinsten Gaesschen koennte einen in ein Maerchen von 1001 Nacht versetzen...wenn da nicht aus jeder Ecke "Yes Madam, come visit my shop, very cheep, just look, dont buy..." yellen wuerde. Alles in allem waren wir ein bischen entaeuscht.


Dafuer ging es ja aber am naechsten morgen mit zwei Daenen, einer Kaertnerin, drei guides, Raja, Kunga, Alifan, Gigu, Robert und Bablu (unsere 6 Kamele) in die Wueste Thar. Die Wueste ist zum grossen Teil eine Stein-Steppen Wueste, die wir zum kleinen Teil durchschaukelten um zu einem der wenigen Flecken mit richtigen Sandduenen zu kommen. Nach einem Sandfreien Abendessen (ich frag mich immernoch wie das geht...) bestehend aus Chapati, Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln und einem Glueh-Bier (wer ist bitte so verrueckt in die Wueste Bier mitzuschleppen...) betteten wir uns auf die Kamel-Decken auf eine Duene, keine 10 km von der Pakistanischen Grenze entfernt. Die Nacht war sternenklar und es war ein Traum nach all den stinkenden Staedten mal wieder in der Natur zu sein. Am naechsten morgen sahen wir dann welche Tiere uns Nachts so ueber das Gesicht gelaufen waren...Mistkaefer verbuddelten rings um uns herum die Hinterlassenschaften der Kamele und Skorpione chillen unter unseren Decken. Ja, ja...dabei wurde und vorher versprochen es gaebe keine gefaehrlichen Tiere. Spaeter stellte sich dann herraus, dass es doch einige giftige Schlangen und Skorpione gibt. Neben diesen liefen uns auch noch Antilopen, Pfaue, viele Echsen, Bienen und Libellen und ein Fuchs ueber den Weg.







Am Ende waren wir doch ganz froh unseren Wuesten-Safari-Wellnesstrip inclusive Sand-Peeling, Camel-Po-Massage, Sonnen-Solarium und Kaktus-Akupunktur unbeschadet ueberstanden zu haben.









Ruhe fanden wir dennoch nicht denn schon Abends brachte uns der Zug weiter nach Bikaner...und daran vorbei. Tja, wir verpennten das Aussteigen. Aber alles halb so schlimm...60 km weiter kam der Kontrolleur vorbei und schmiss uns am naechsten Bahnhof raus. So schnappten wir uns einen Bus zurueck, machten unterwegs halt am Rattentempel Karni Mata in dem ein bunch von Ratten lebt, gefuettert, gepflegt und verehrt wird (puh...super strange!) und sind seitdem mit saemtlichen Rattenkrankheiten (man muss in diesem Tempel wie in allen Barfuss laufen...) behaftet in Bikaner (wo es wieder ein Fort gibt...). Heute Abend geht es noch weiter in den Norden nach Amritsar und Attari wo wir uns die naechtliche border-closing ceremony an der Grenze zu Pakistan anschauen wollen.