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August 24, 2008

Playa Colarada - der rote Strand

Sodele, nun der arg verspätete Bericht von unseren letzten Tagen in Venezuela.

Wir erreichten Puerto la Cruz am Karibischen Meer nach einer langen und höchst unbequemen Busfahrt. Unterwegs fuhren wir an riesigen Erdölraffinerien vorbei, die bei Nacht schon von weitem durch ihre hell brennenden und schwarz rußenden Kamine sichtbar waren. Pto la Cruz entpuppte sich dann aber doch als angenehme, lebendige Stadt mit unglaublich vielen Shopping Möglichkeiten und dem besten Italienischen Café in ganz Venezuela. Nachdem wir den Vormittag mit Tickets kaufen, bummeln und Café trinken verbracht hatten, fuhren wir an der Küste entlang weiter zu dem malerischen Strändchen Playa Colarada. So benannt nach dem dunkelroten Sand und dem 100% Venezuela-feeling.

Dort trafen wir zwei Schweizer aus Zürich. Und da auch Schweizer gern unter Genossen sind führten uns die beiden zu ihrem Posada "Rita la Suiza", das eine der schönsten und billigsten Unterkünften während unseren gesamten Aufenthalt darstellte. Rita, eine Auswanderin aus der Schweiz vermietete einige kleine Zimmer und ein riesengrosses mit eigener Küche, Hängematte und Hausschildkröte. Wir quartierten uns hier zusammen mit den beiden Schweizern ein und verbrachten so auch den Schweizer Nationalfeiertag in angemessener Umgebung. Der folgende Tag war leider von Organisatorischem Hin-und-Her geprägt, von Tickets umtauschen und das Tauchen für Nathi organisieren. Doch nachdem wir alles erfolgreich erledigt hatten konnten wir uns auch noch ein Weilchen in den Wellen abkühlen und den Urlaub unter Palmen ausklingen lassen denn am nächsten Tag packten wir bereits zum letzten mal die Rucksäcke.


Dass ich meinen die kommenden 4 Tage nicht mehr auspacken würde hätte ich damals allerdings noch nicht gedacht. Wir fuhren mit Sack und Pack zurück nach Pto. la Cruz wo wir direkt mit einer kleinen Gruppe in einem kleinen Boot zum Tauchen im Nationalpark Mochima aufbrachen. Es wurde ein wunderschöner letzter Tag, maximale Sonne, maximal Meer und unheimlich viele bunte Fische die nur Nathi beim Namen benennen kann. Darunter waren aber Moränen, Trichterfische und solche wie man sie aus dem heimischen Aquarium kennt. Nach all den Piratengeschichten die uns zuvor zu Ohren gekommen sind hoffte ich ja insgeheim noch auf eine Begegnung mit Jack Sparrow...doch leider blieb uns diese verwehrt ;o) Braun gebrannt kehrten wir so zurück aufs Festland, bummelten nochmals durch Puerto um uns dann in den eiskalt klimatisierten Busterminal zu setzen und 4h auf unseren noch kälteren und zudem nassen Bus (ja, es regnete rein...) zu warten welcher uns zurück ins gefährliche Caracas bringen sollte. Uns schlotterten die Knie nicht nur vor kälte. Doch zum Glück managten wir es ein weiteres Mal heil durch Venezuelas Hauptstadt zu kommnen und erreichten übermüdet und verfroren den Flughafen. Dort hatten wir noch einige Stunden bis zum Abflug und so ließen wir die letzten Wochen revue passieren. Es war ein sehr schöner, wenn auch etwas anderer Südamerika Urlaub. Venezuela ist lange noch nicht so touristisch wie Peru oder Bolivien, was es einerseits unheimlich sympathisch macht da alle Menschen die man trifft kompromisslos freundlich und hilfsbereit sind, es andererseits aber auch sehr mühsam zum Reisen und Unterkunft suchen macht. Trotz des wie immer hilfreichen Lonely Planets. Aber es war für mich mit Abstand der Urlaub mit der meisten Biodiversität. So viele verschiedene Vegetationszonen, Tiere und Pflanzen habe ich nichtmal in Ecuador gesehen. Natürlich war es auch ein Urlaub der mit sehr viel Lachen verbunden war. Wie schon in Indien harmonisierten Nathi und ich die meiste Zeit wunderbar und es gab einige lustige Momente. Auch politisch war es ein interessanter Urlaub...zeigte er uns doch ein anderes, wenn auch nicht wirklich besseres, Bild von Hugo Chávez als das, das wir aus den heimischen Zeitungen kennen.

Schade, dass der Urlaub so schnell wieder vorbei war.

Auf dem Heimweg machten wir noch einen Zwischenstop in Paris. Genossen bei schönstem Sonnenschein la tour Eiffel, l`arc de triomphe, le Louvre et le Notredame und natürlich einen Café au lait!




Also, das wars mal wieder mit dem Allheilmittel gegen Fernweh...ich hoffe der nächste Urlaub kommt bald!

July 31, 2008

Los Lanos & Los Andes


Tja...meinen Drachen konnte ich leider nicht mehr steigen lassen, da Dank Feiertag kein Shop offen hatte, der mir eine Nylonschnur haette verkaufen konnte. Aber die Wueste, los Médanos de Coro, war trotzdem schoen heiss, staubig und sandig und natuerlich wieder fuer allerhand lustige Fotos gut!


Abends zuckelten wir dann im Nachtexpress innerhalb von 12 Stunden in die 1600m hoch gelegene Andenstadt Mérida. Allerdings hielten wir uns dort vorerst nur ziemlich genau einen Cafè con Leche lang auf, denn dann begegneten wir Charlotte und Jeff wieder, ein Paerchen aus Toulouse die wir bereits in Chichiriviche und in Coro getroffen hatten. Die beiden waren gerade dabei ihr Gepaeck auf einen Jeep von "Guamanchi-Tours" zu laden und einen 4-Tages Trip nach Los Llanos, der "Serengeti von Suedamerika", zu machen. Da gerade Regenzeit ist, ist Los Llanos ein eher halb unter Wasser stehendes Sumpfland wie trockene Steppe, aber die Landschaft kommt dem sonst doch sehr nahe. Ja, und spontan wie wir sind, haben wir unsere Rucksaecke einfach auch auf den Jeep gepackt und sind mitgefahren. ;o)

Holter-die-polter sind wir die Anden wieder runter bis fast an die Grenze zu Columbien. Hier verbrachten wir dann zwei Naechte in Haengematten auf einer Ranch mitten in den Suempfen, umgeben von Milliarden Mosquitos! Tagsueber ging es dann zu Pferd, zu Jeep oder zu Boot zur Wildlife-Safari. Wir suchten und fanden eine Anaconda, fischten kurz drauf in ein und dem selben Sumpf Piranjas (die dann Abends gebraten auf unserem Teller landeten und nicht nur uns, sondern auch den Caimanen schmeckten, derren Revier auch jener Tümpel war). Wir fingen eine Matmata, eine sehr alte Schildkroetenart, sahen Capybaras, die groessten Nagetiere der Welt, Toninas (Suesswasserdelphine), Iguanas, handtellergrosse Taranteln, eine Boa Constrictor, kunterbunte Papageien und jede Menge anderer Voegel. Leider fanden wir wieder kein Perezoso und auch der Ameisenbaer, sowie Guerteltiere und Jaguare versteckten sich vor uns.


Nach zwei aufregenden Tagen ging es dann zurueck bis in die Foothills der Anden wo wir noch einen spassigen, wenn auch halb erfrorenen Raftingtrip der Stufe 3 auf dem Rio Acequia genossen. Unsere beiden suessen Guides, Hector y Marco, retteten uns dabei heldenhaft aus jeder Walze :o)
Ganz zurueck in Mérida konnten wir dann bei einer Fahrt mit der hoechsten und laengsten Seilbahn der Welt, dem Teleférico de Mérida, endlich die Schoenheit der Anden geniessen. Diese Seilbahn, einst von den Franzosen erbaut und nun von den Schweizern gewartet, führt schon seit 1958 über 3200 Höhenmeter und 12.5 km auf den 4800m hohen Pico Espejo.
Zwei Stunden brauchten wir von Mérida bis auf den hoechsten Punkt, welcher noch von einer 3m hohen Marienstatue gekrönt wird. War es in Mérida noch T-Shirt Wetter und angenehme 25°C, so froren wir nun in all unsren Jacken und Pullis bei unter Null Grad.
Viele Venezuelanos sahen und fuehlten hier ihren ersten Schnee und freuten sich wie kleine Kinder ueber die ungewohnte weisse Pracht. Einige versuchten sogar ein Andenken mit nach Hause zu nehmen...lange werden sie aber wohl keine Freude daran haben.... .


Knapp unterhalb des Pico Espejo starteten wir dann unsere Wanderung ins 2400m hoch gelegene Anden-Doerfchen Los Nevados. Dabei durchqueren wir etliche Vergetationszonen, vom kargen Paramo bis zu den Naehrstoffreichen Regionen der Andenbewohner. Superschoen...! Los Nevados ist neben einer handvoll Wohnhäusern, drei Posadas (die Venezuelanische Art Hotel), zwei Tante-Emma-Läden, einer Licoreria und einer Kirche auch stolzer Besitzer eines Plaza de Bolívar! Wie es sich eben für eine Richtige Stadt in Venezuela gehört!

In Los Nevados verbrachten wir dann eine Nacht in Eiseskaelte unter 4 Decken. Doch die Bergsonne und ein heisser Cafè con Leche in der Haengematte am naechsten Morgen machten uns wieder fit fuer die 5 Stunden Ruettel-Schuettel Jeepfahrt zurueck nach Merida.

Hier war es zum Glueck schon wieder so warm, dass wir sogar einige der Tausend Eissorten in der beruehmtesten Eisdiele der Welt ausprobieren konnten. Doch an Zwiebel, -Knoblauch- oder Fleischeis haben wir uns dann doch nicht ganz heran getraut. Nathi probierte "Lachs", was zwar nicht ganz zur zweiten sorte "Mandel" passte, jedoch als Hauptspeise und Nachtisch betrachtet wohl sehr lecker schmeckte... .

Sodele, morgen steht uns noch ein halber Tag Artesania shoppen in Merida bevor, ehe wir dann zur 22h Fahrt nach Mochima an den Strand starten.
Und nochmals Sorry fuer alle fehlenden Bilder....die Computer hier sind nicht wirklich fit fuer unsere Technisch komplizierten Kameras... . Aber ich werde die Bilder von Strand und Tierwelt sobald wie moeglich hochladen!

July 24, 2008

Regenwald und Strand

Buenas!
Wow...Nathi und ich sin in Venezuela!!! Mit was soll ich anfangen zu berichten...mit den wunderschoenen karibischen Straenden, den dreckigen chaotischen Staedten, dem gruen-ach-so-gruenen Regenwald, den liebenswuerdigen Menschen oder der dauerhaften Cumbia und Reaggeton Beschallung?!
Also zusammengefasst begegnet uns Venezuela bis jetzt als typisches Latino-Land mit einem sehr amerikanischen touch. Die Menschen sind im Durchschnitt etwas breiter ;o) und es gibt eigentlich kaum Armut...allen scheint es mehr oder weniger gut zu gehen und Auto fahren ist hier sehr "in"...was auch kein Wunder ist bei einem Benzinpreis von 3 Cent pro Liter...! Allerdings gibt es quasi nur zwei Autotypen: grosse edle Chevrolet Jeeps oder alte, verrostet und verbeulte Ami-Strassenschlitten!
Angefangen hat unsere Reise mit einem kurzen ungewollten Stopover in Caracas, Venezuelas gehasster Hauptstadt, da wir es dank Verkehrschaos (wie gesagt, Autofahren ist hier so billig, dass es alle machen..) nicht mehr weiter geschafft haben. Seit wir, Gottseidank heile, dieser Metropole entkommen sind, kommen uns nur noch Horrorgeschichten ueber Venezuelas gefaehrlichste Stadt zu Ohren. Ich fuehre diese jetzt nicht weiter aus, denn am folgenden Tag lagen wir ja schon wie zwei Oelsardinen am Strand von Puerto Colombia, ein suesses kleines Oertchen im aeltesten Nationalpark von Venezuela: Henri Pittier, so benannt nach seinem Gruender, einem Schweizer Botaniker.


Das Geheimnis, warum die Damen hier so schön schlank sind und alle Miss-Sowieso werden haben wir auch schon geklärt...


... die essen Light-Eier! Genau soviel Ei wie ein normales Ei, aber dank reduziertem Huehnerfutter nur halb so viel Fett, Cholesterin und Zucker ;o)

Natuerlich hat der Nationalpark hier mehr zu bieten als nur Straende, Chicks und Huevos-light und so fanden wir uns einen Tag spaeter bereits mittten im Jungle wieder. Wir uebernachteten auf der Estacion Biologica Rancho Grande und liessen uns von Bio-Studenten aus Caracas die Tier und Pflanzenwelt zeigen. Die Studenten arbeiteten an der Microfauna welche in Helikonien und Bromelien lebt...allerhand findet sich da! Wir entdeckten giftige Schlangen, riesengrosse feuerrot gestreifte Tausendfuessler, riesige Spinnen, einen Anolis und super suesse Froesche! Katja, wir sahen leider noch kein Perezoso...

Auf der Station arbeitete auch noch eine Gruppe Polnischer Studenten welche uns mit nach Maracay zu einem Schmetterlingssammler nahm. Unglaublich viele Praeparate aller moeglichen Insekten hatter der...einen ganzen Raum voll!!! Und er zeigte uns etliche Insekten die er jeweils so praepariert hatte, dass sie ihre eigene Geschichte erzaehlen...wahnsinnig interessant!


Nach so viel Gruen zog es uns dann wieder an den Strand. Wir uebernachteten in Chichiriviche, einen Strandort im Nationalpark von Morrocoy und fuhren am naechsten Tag ueber tuerkisenes Wasser zu einer kleinen Insel namens Cayo Sal, welche nicht viel mehr hatte als Sand und Palmen (hm...es gab da auch noch eine Kirche...aber nur Gott weiss wieso..). Wir verbrachten den Tag schnorchelnd im Wassern liegend oder nach Luft hechelnd am Strand liegend. Abends erzaehlte uns Carlos, bei dem wir uebernachtet hatten, noch mega viel ueber Chavez und seine Politik. Er meinte, dass seit Februar (hier Strich Chavez die drei Nullen von der Waehrung Bolivares weg und nannte sie Bolivares fuerte) die Preise um 40% gestiegen sind. Die Inflation ist unglaublich und Chavez tut alles dafuer indem er nichts mehr im Land produzieren laesst und alles importiert...es gibt ja auch genug Geld vom Oelhandel (dessen Grossteil er uebrigens an seinen Todfeind "burro" Bush liefert). Naja, deshalb ist hier jedenfalls alles so teuer...Lebensmittel, Kleidung und co sind zum Teil sogar teurer wie bei uns. Carlos meinte, dass er in einigen Monaten eine blutige Revolution gegen die Chavez-Politik erwartet... .

Nunja, nun befinden wir uns gerade in der Kuestenstadt Coro, die heisseste Stad in Venezuela aber auch die mit dem meissten Wind. Gerade habe ich mir einen Drachen gekauft und versuch nachher in der Wueste ihn steigen zu lassen ;o)

Aber nach Strand kommt ja bekanntlich wieder Jungle und machten wir gestern einen Tagesausflug in die Sierra de San Luis...eine Landschaft die von tiefgelegener Kakteenwueste ueber tropischen Regenwald bis hin zu kuehlem, 1500m hohen Nebelwald reicht. Dort wanderen wir den Camino de los Espanoles entlang, einen alten Spanischen trail welcher zwei Doerfer verbindet und auf dessen Weg zahlreiche Hoehlen liegen. Wir entdeckten natuerlich wieder tausende von abgefahren Tieren...Grashuepfer von der Groesse eines Stecknadelkopfs bis zu der Groesse eines Schuhes Gr . 38! Mosquitos von Adel mit blauem Blut und Sclangen, Froesche, Schmetterlinge....nur der Perezoso, das Faultier, fehlt immernoch.







Heute Abend verlassen wir dann die Kueste und nachen uns auf den Weg nach Merida... 1600m hoch in die Anden!