Irgendwie ist es auch schön den Blogeintrag erst vier Monate später zu schreiben - besonders wenn es ein Eintrag über eine wunderschöne Frühlings-Höhenwanderung im sonnigen Tessin ist, während man derzeit in Oslo mit der Wolldecke auf der Couch lümmelt und vor dem Fenster die grauen Regenschleier vorbeiziehen... .
Zu dieser Wanderung inspiriert hatte uns das Buch "
Alpinwandern Tessin: Einsame Touren südlich des Gotthards", allerdings waren wir wohl etwas zu optimistisch was die Schneelage Ende Juni anging, denn ab 2000 m lag dann doch noch jede Menge Schnee... . Deshalb kombinierten wir die vorgeschlagene Route kurzerhand mit dem erst kürzlich etablierten "
Via alta della Maggia" - ein Höhenwanderweg entlang des Bergkammes zwischen Maggia- und Verzascatal. Ähnlich dem "
Via alta della Verzasca", jedoch weniger anspruchsvoll.
Im urigen Coglio, auf 352 m im Valle di Maggia gelegen, ging es los, durch dichte Wälder, vorbei an zerfallenen und schön renovierten Tessiner Steinhäusern, über Bäche und durch Schluchten, und immer tiefer in das wilde und einsame Val di Coglio. Wer Einsamkeit in den Alpen sucht ist hier genau richtig - ausser Vögeln, Schlangen, und jeder Menge Zecken sind wir keiner Seele begegnet. Am Ende des Tales wartete dann der lange und steile Aufstieg zum Passo dei Due Laghi, an welchem sich die beiden Täler - das einsame Val di Coglio und das häufiger besuchte Valle di Giumaglio - wieder vereinen. Und jedes Tal hat auch seinen eigenen kleinen See unterhalb des Passes - "due Laghi" eben.
Vom Pass aus war es dann nicht mehr weit zur
Alpe Spluga, einer 2005 renovierten Ansammlung aus 11 ehemaligen Sennhütten von welchen inzwischen drei als Berghütten zur Übernachtung genutzt werden können. Die Alpe bietet eine grandiose Aussicht ins Valle Maggia, welche wir ganz allein mit unseren Bierchen und köstlichem Tessiner Risotto geniessen konnten. Besser kann man die Seele - und die müden Bergsteigerbeine - nicht baumeln lassen ;)
Nach einer sehr erholsamen Nacht brachen wir früh am nächsten Morgen für unsere zweite Etappe der Wanderung auf. Nun ging es auf den neu etablierten blau-weissen Wanderwegen der Via alta Maggia über drei weitere Pässe Richtung Val Tomè, durch welches wir wieder ins Valle di Maggia absteigen würden. Der Weg ist mit Schwierigkeitsgrad T4 ausgeschrieben, doch gab es entlang der Pässe einige exponierte Passagen, welche jedoch recht oft gut mit Ketten versichert waren. Im Gegensatz zu unserer ursprünglich geplanten Route führte die Via alta Maggia auf einer konstanten Höhe von mehr oder weniger 2000 m unterhalb der ganzen imposanten Berggipfel entlang und bietet einem damit eine dauerhaft gute Aussicht auf die umliegenden Gipfel und das Maggiatal. Etwas mühsam waren die langen Passagen über endlos scheinende Geröllfelder - jedoch gab es ja immer wieder einen Pass zur Abwechslung dazwischen ;)
Der Abstieg führte uns an der ebenfalls vor kurzem renovierten
Capanna Tomeo vorbei, und da wir noch ein wenig Zeit hatten haben wir es uns nicht nehmen lassen auf ein Bier und Plausch mit dem Hüttenwirt zu verweilen. Zum Glück hörte sich das Menü zum Abendessen nicht so sehr verlockend an - sonst wären wir noch fast dort geblieben. Von der Hütte aus waren es noch 1.5 Stunden stetiges Bergablaufen, und nach einem erfrischenden Bad in der Maggia brachte uns dann der letzte Postbus des Tages von Broglio zurück nach Coglio.
Jetzt haben wir zwei angefangene Höhenwanderwege auf der "to-do" Liste - ich hoffe wir können bald wieder kommen!
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